Resilienz

Bist du unzufrieden im Job, und merkst du, dass der Stress immer mehr zunimmt?

Dann hast du entweder den falschen Job erwischt – oder bist in eine Firma (oder Abteilung) voller Bewohner geraten.

In beiden Fällen solltest du etwas tun.

Denn beides zehrt auf Dauer an deiner Resilienz, deiner mentalen Widerstandskraft.

Was ist Resilienz?

Stell dir vor, du nimmst einen Schwamm (oder noch besser, hol dir einen). Und den drückst du ganz fest zusammen. Und lässt ihn wieder los. Was passiert? Er springt in seine Form zurück – weil er resilient ist.

Resilienz ist nichts anderes als die Fähigkeit von Gegenständen, nach Drucksituationen wieder ihre ursprüngliche Form zurückzuerlangen. Die Psychologie hat sich diesen Begriff aus der Werkstoffphysik angeeignet und ihn auf uns Menschen übertragen.

Will heißen: Das, was du gerade mit dem Schwamm gemacht hast, versucht das Leben jeden Tag mit uns. Und unsere Fähigkeit, nach Schicksalsschlägen, schwierigen Situationen oder schlimmen Erlebnissen wieder aufzustehen und aufrecht, positiv und optimistisch weiterzumachen, nennt man demnach auch Resilienz.

Nun gibt es ja verschiedene Schwämme, die für verschiedene Aufgaben gedacht sind – Spülschwämme, Putzschwämme, Make-up-Schwämme, Polierschwämme, Schwämme zum Verputzen… Und was passiert, wenn du den falschen Schwamm für die falsche Aufgabe benutzt? Richtig – er geht schneller kaputt.

Genauso geht es uns Menschen, wenn wir uns in der falschen Aufgabe, sprich dem falschen Job, befinden: Wir gehen (im übertragenen Sinne) schneller kaputt.

Ebenso zehrt es auf Dauer an unserer mentalen Widerstandskraft, wenn wir nur von Bewohnern umgeben sind, vor allem, wenn wir selber keiner sind und auch keiner werden wollen. Das bedeutet nämlich, dass wir uns ständig zur Wehr setzen müssen gegen blöde Kommentare, negative Aussagen, Pauschalurteile, Schuldverschiebungen usw. – und sei es nur im Geiste. Wenn wir nicht aus der Situation herausgehen, haben wir nämlich dann nur zwei Möglichkeiten: mit dem Strom schwimmen, oder früher oder später dran kaputtgehen (wie der Schwamm).

 

Die 7 Resilienz-Faktoren

Nun besteht Resilienz aus sieben verschiedenen Faktoren: Impulskontrolle, Emotionssteuerung, Empathie, Zielorientierung, Optimismus, Kausalanalyse und Selbstwirksamkeitsüberzeugung.

Fangen wir von vorne an:

 

1. Impulskontrolle

Impulskontrolle setzt sich aus zwei Fähigkeiten zusammen. Zum einen ist damit die Fähigkeit gemeint, nicht bei jeder negativen Ansprache oder jedem Angriff „aus der Haut“ zu fahren, also seine Impulse zu kontrollieren. Wenn du dich nun nur mit Bewohnern umgibst, ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich groß, dass du dich öfter mal zusammenreißen musst – was irgendwann sehr anstrengend werden kann…

Zum anderen bedeutet Impulskontrolle aber auch, dem Impuls, sich ablenken zu lassen, nicht nachzugeben, also fokussiert und konzentriert weiterzuarbeiten. Wenn du dich aber im falschen Job befindest und du die Aufgaben als sinnlos, zu schwer oder zu leicht empfindest, wird es dir auf Dauer schwer fallen, deine volle Konzentration darauf zu halten, und du wirst dich liebend gerne ablenken lassen.

 

2. Emotionssteuerung

Unter Emotionssteuerung verstehen wir die Fähigkeit eines Menschen, negative Emotionen ins Positive zu drehen. Damit ist mitnichten gemeint, dass negative Gefühle unterdrückt werden sollen! Vielmehr bedeutet es, dass du dich bewusst für gute Laune und gute Gedanken entscheiden kannst. Auch wenn es dir mal nicht so gut geht.

In einem Job, in dem du unglücklich bist, wird es dir mit der Zeit immer schwerer fallen, deine gute Laune zu bewahren.

 

3. Empathie

Empathie bezieht sich auf die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen. Was ist aber, wenn du dich in manche Menschen gar nicht hineinversetzen WILLST? Oder es gar nicht kannst – egal wie sehr du es versuchst? Weil sie nämlich Bewohner sind? Dann verkümmert diese Fähigkeit höchstwahrscheinlich.

 

4. Zielorientierung

Zielorientierung ist die Fähigkeit, sich Ziele zu setzen und auf sie hinzuarbeiten. Sich ein neues Ziel zu setzen, wenn das alte erreicht ist. Oder auch sich ein anderes Ziel zu setzen, wenn das ursprüngliche obsolet geworden ist oder nicht mehr zu dir passt, weil sich deine Lebensumstände verändert haben. Unter Bewohnern verstehe ich nicht gerade Menschen, die sich Ziele setzen, oder andere dabei unterstützen, ihre Ziele zu erreichen – eher das Gegenteil. Und konsequent auf deine Ziele hinzuarbeiten, wenn dich deine Umgebung nicht unterstützt oder dich herunterputzt, weil sie will, dass du so bleibst wie sie, ist extrem schwierig.

 

5. Optimismus

Optimismus – die Fähigkeit, daran zu glauben, dass am Ende alles gut wird. Und wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende. Auch keine hervorstechende Eigenschaft von Bewohnern, oder? Genauso wird es dir auf Dauer schwer fallen, optimistisch zu bleiben, wenn deine Lebensumstände – sprich, dein Beruf – dich unglücklich machen, dich über- oder unterfordern.

 

6. Selbstwirksamkeitsüberzeugung

Selbstwirksamkeitsüberzeugung ist der Glaube an die eigenen Fähigkeiten – der Glaube daran, dass du alles, was du brauchst, um glücklich und erfolgreich zu sein, bereits in dir trägst. Und die Überzeugung, dass du dein Schicksal bis zu einem gewissen Grad selber in der Hand hast.

Selbstwirksamkeitsüberzeugung geht meist mit einem guten Selbstbewusstsein einher. Wenn du aber über lange Zeit in einem Job bist, in dem du nicht glücklich bist, wird das höchstwahrscheinlich an deinem Selbstbewusstsein nagen.

Und wenn du dich nur mit Bewohnern umgibst, werden diese dir im besten Fall vermitteln, dass das Leben ohnehin scheiße ist, und man sowieso nichts ändern kann. Im schlimmsten Fall werden sie dir aber einzureden versuchen, dass du eh nicht gut genug bist, um die Umstände zu verändern.

 

7. Kausalanalyse

Dies ist die Fähigkeit dazu, Dingen auf den Grund zu gehen – also zu analysieren, was die Causa, die zugrunde liegende Ursache eines Vorfalls oder einer Situation ist. Dies setzt die Fähigkeit zur Selbstreflexion voraus – was hast DU getan, um diese Situation zu begünstigen oder gar herbeizuführen? In meinem Verständnis zählt eine gute Kausalanalyse nicht gerade zu den stärksten Eigenschaften von Bewohnern – und da du der Durchschnitt aus den fünf Menschen bist, mit denen du die meiste Zeit verbringst, wird es auch nicht deine hervorstechendste Eigenschaft werden, wenn du dich nur mit Bewohnern umgibst.

 

Mögliche Ursachen dafür, dass du mit deinem Job nicht zufrieden bist

Wenn du nun unglücklich im Job bist, und dich über- oder unterfordert fühlst, wird eine gute Kausalanalyse deine wichtigste Aufgabe sein. Woran liegt es denn, dass du nicht glücklich bist? Warst du bis jetzt in all deinen Jobs nicht glücklich? Dann denk mal drüber nach, ob es nicht an dir liegen könnte (denn wer war immer am Tatort? Du!). Vielleicht bist du ein Mensch, der das Gefühl hat, es immer allen recht machen zu müssen – und gerät deshalb ständig in Situationen, in denen er ausgenutzt und als besserer Hiwi missbraucht wird?

Wenn du bei der Selbstreflexion aber festgestellt hast, dass es nicht deine Gewohnheiten, Erwartungen oder Glaubenssätze sind, die dir im Weg stehen, sondern der Job wirklich nichts für dich ist, oder die Kollegen dich nur runterziehen – dann schau, ob du die Umgebung ändern kannst, indem du dich beruflich veränderst. Jeder Mensch hat das Recht darauf, im Job glücklich zu sein!

Gefällt dir dein Job aber eigentlich, und auch die Kollegen sind ganz okay, aber du fühlst dich trotzdem immer mehr gestresst? Dann sorge für dich und arbeite an deiner Resilienz – sie wird dir helfen, besser mit dem Stress klar zu kommen.

 

Wie kannst du deine Resilienz stärken?

Jeder Mensch ist da anders – der eine ist gestresst, weil er sich zu schnell ablenken lässt, seine Aufgaben nicht zügig und konzentriert erledigen kann und deshalb ständig mit seiner Arbeit in Verzug ist. Mit anderen Worten: eine schwache Impulskontrolle hat. Dem könnte es helfen, sich Zeitfenster zu setzen, in denen er konzentriert und ohne sich von Emails, WhatsApp & Co ablenken zu lassen durcharbeiten kann (und dies mithilfe einer App wie z.B. focus@will zu unterstützen. Diese spielt Musik in einer Geschwindigkeit, die das Gehirn in einen hyperfokussierten Zustand bringt).

Die andere schafft es nicht, alleine aus Phasen schlechter Laune herauszukommen (Na? Richtig: Emotionssteuerung!). Ihr könnte die Übung „Stift im Mund“ helfen: nimm einen Stift quer in den Mund und beiße feste drauf, so dass deine Mundwinkel richtig zu den Ohren gezogen werden. Wenn du diese Grimasse 60 Sekunden lang hältst, wird sich deine Laune unter Garantie verbessern. Und nicht nur, weil du über dich selber lachen musst (das auch!), sondern weil die Wangenmuskeln deinem Gehirn signalisieren, dass du gerade lächelst (weil sie auf die gleiche Art angestrengt werden, wie wenn du wirklich lächeln würdest). Das Gehirn reagiert darauf mit der Ausschüttung von Serotonin, dem Glückshormon – und deine Laune verbessert sich tatsächlich.

 

Fazit

 

1. Augen auf bei der Berufswahl

Denn du wirst dich auf Dauer nicht verbiegen und in jemand anderen verwandeln können. Das funktioniert vielleicht eine Zeit lang, aber irgendwann zerbrichst du daran. Suche dir einen Job, bei dem du deine Fähigkeiten, Neigungen und Interessen anwenden kannst. Noch besser: finde deine Berufung. Wenn du gar nicht weißt, wo du ansetzen sollst – hol dir Unterstützung bei der Suche danach, z.B. durch einen guten Coach.

2. Schau hin, mit wem du dich umgibst

Du bist der Durchschnitt der fünf Menschen, mit denen du die meiste Zeit verbringst. Das bedeutet nicht, dass du die Hälfte deiner Kontakte aus deinem Handy löschen sollst und mit deiner Familie brichst. Such dir vielmehr Menschen, die deine Interessen teilen, oder die bereits da sind, wo du hinwillst. Geh auf Seminare, lass dich von Büchern oder Podcasts inspirieren (z.B. meinen Podcast „Die Berufsoptimierer“), gründe eine Mastermind-Gruppe.

Es ist DEIN Leben. Mach was draus!

Punktlandung. Mit Katja Michalek

 

Katja Michalek Über Katja Michalek

Nach 20 Jahren als Angestellte einer großen deutschen Fluggesellschaft hat sich Katja Michalek im Jahr 2015 als Trainerin und Coach mit den Schwerpunkten Resilienz und berufliche Neuorientierung/Bewerbung selbstständig gemacht und ihre Firma Punktlandung gegründet (www.punktlandung.training). Unter dem Motto „Sei einfach du selbst. Alle anderen gibt es schon“ unterstützt sie ihre Kunden dabei, ihre Flügel zu entfalten, und legt dabei besonderen Wert auf eine individuelle, motivierende Beratung.

 

Im April 2017 ging zudem der Podcast „Die Berufsoptimierer“ (www.die-berufsoptimierer.de) an den Start, den sie mit einem Kollegen zusammen moderiert.

Katja lebt mit ihrer Familie in Essen und verbringt ihre freie Zeit gerne mit ihren beiden kleinen Söhnen am See oder im Wald.